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Die Gefahr der Derivate

Das weltweite Derivate Volumen hat nun ein neues Rekord Volumen von 1,5 Billiarden Dollar erreicht. Das sind 1.500 Billionen oder 1,5 Millionen Milliarden. Wenn man das mal in eine Relation zu dem setzt, was sonst auf der Welt so umgesetzt wird. Das gesamte Welt BIP – also die komplette Wirtschaftsleistung aller Länder und Menschen der Welt zusammen hat ein Volumen von 65 Billionen. Wir handeln also derzeit am Derivatemarkt über das 20 fache des Welt BIP!!

Der Wert aller Aktien der Welt zusammen hat ein Volumen von fast 40 Billionen und der Wert aller Anleihen der Welt beträgt über 80 Billionen.

Wenn wir also über alle Aktien und Anleihen der Welt zusammen reden, dann sind das mit 120 Billionen oder 8% nicht einmal 10% des Derivate Volumens.

Doch was sind Derivate genau? Spätestens nachdem Warren Buffet Derivate als „Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet hat ist dieser Begriff in aller Munde.

Ein Derivat – wie die lateinische Herkunft des Begriffs verrät – ist ein “abgeleitetes Produkt” .Es leitet sich etwa vom Wert einer Währung, einer Weizenladung oder des Öls ab.

Das Prinzip des Derivats ist uralt. Schon auf Steintafeln aus der Herrschaftszeit des babylonischen Königs Hammurabi um 1700 vor Christus gaben Händler ihren Kunden das Recht, zu vereinbarten Zeitpunkten bei ihnen Sklaven zu kaufen. Die Verträge waren übertragbar. Der Besitzer konnte die Option auf den Sklaven verkaufen – etwa, wenn er inzwischen glaubte, dass die Preise für Sklaven nach dem Stichtag sinken würden.

Mittlerweile sind Derivate ein reines Finanzprodukt und viele besitzen einen Hebel. Steigt etwa der Wert einer Aktie oder des Euro um eine Nuance, streicht der Investor ein Vielfaches dessen als Gewinn ein. Zweifach, dreifach, hundertfach – je nach Hebel. Riesige Summen werden bewegt, ohne realen Gegenwert.

Einfachstes Beispiel für ein Derivat als Schuldverschreibung ist ein Indexzertifikat auf den ATX oder DAX. Wer dieses Papier kauft, wird vom Herausgeber so gestellt, als ob er exakt nach Indexgewichtung in die enthaltenen Aktien investiert hätte. Er besitzt allerdings nicht wirklich Anteile an den Gesellschaften, sondern ist Gläubiger der Bank. Daher gibt es bei Zertifikaten wie bei allen Anleihen auch ein Emittenten Risiko. Dieses Risiko existiert auch bei Optionsscheinen.

Unternehmen gleichen mit Derivatprodukten nicht nur Währungs-, sondern auch Aktienkurs-, Zins- und Preisschwankungen aus. Unter Fluggesellschaften ist es beispielsweise üblich, sich lange im Voraus stabile Kerosinpreise garantieren zu lassen, um das Risiko abrupter Preissprünge auszuschalten. Zunehmend wälzen wetterabhängige Branchen über spezielle Derivateprodukte auch die Risiken von Wetterumschwüngen ab. So ließen sich Münchner Oktoberfestwirte von der französischen Société Générale für jeden verregneten Tag eine Entschädigung garantieren. Ähnlich federn kommunale Elektrizitätswerke im Winter steigende Preise der Stromversorger ab.

Einleitung und Zahlen angelehnt an Gerald Kastner, das-bewegt-die-welt.de