Verzerrte Realität.

Diese Woche Konnte man unzählige Artikel zur Goldpreiskorrektur in den Massenmedien lesen. „Jetzt platzt die Goldblase usw, war in großen Lettern zu sehen. Bevor wir die Hintergründe dazu näher betrachten vergleichen wir doch mal die Entwicklung des DAX und Gold seit dem 4. Juli 2011. Hier sehen wir ein sehr eindeutiges Bild: DAX – 25,6 %, Gold +21,7%


Der Ausblick in unsere Finanzwelt hat sich ganz und gar nicht zum besseren Verändert. Hinter den Kulissen brennt es immer noch an allen Ecken und Enden und kurze Zwischenkorrektur beim Goldpreis kann nur als „Gesund“ eingestuft werden nach den letzten starken Anstiegen. Außerdem wurden die Spielregeln verändert.
An der COMEX erhöhte die CME erneut die Sicherheitsleistungen für die Goldkontrakte. Die zweite Erhöhung binnen kürzester Zeit! Bereits am 11.08.2011 wurde die Sicherheitsleistung (Margin) um 22% pro Goldkontrakt auf 7.425 USD angehoben. Da dies vom Markt sehr schnell verdaut wurde, kam es diese Woche mal eben zu einer Erhöhung um 27% auf 9.450 USD und Gold wurde kurzfristig auf 1.700$ je Unze gedrückt. Viele kurzfristig eingestiegene Spekulanten mussten dies teuer bezahlen und auch einige spekulative Investoren in Hebelprodukten wurden gnadenlos ausgestoppt.

Es ist absolut lächerlich, dass sich ausgerechnet diejenigen, die noch kein Gold gekauft haben mit dieser Korrektur in der eigenen Entscheidung bestätigt fühlen, dass man keine Edelmetalle haben muss. Die Korrektur hat nur die Gewinne einer einzigen Woche ausgelöscht – sonst gar nichts!

Die Konjunkturaussichten trüben sich ein. Laut der aktuellen Umfrage unter 7.000 deutschen Managern wird es eine deutliche Konjunkturabkühlung schon in den nächsten Wochen und Monaten geben. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sackte im August 2011 auf 108,7 von 112,9 Punkten im Juli ab, was den größten Einbruch seit Juli 2008 bedeutet.

Mittwoch stufte die Ratingagentur MOODYS die Kreditwürdigkeit Japans herab. Japan war zuletzt nur noch mit Aa2 bewertet und wurde nun auf Aa3 herabgestuft. Große Auswirkungen wird das aber nicht haben, da Japan seit Jahrzehnten nur noch künstlich durch die niedrig gehaltenen Zinsen beatmet wird und die hohe Staatsverschuldung nichts Neues ist.

Nach einem Anstieg der deutschen Importpreise von 6,5% im Juni wurde im Juli ein Anstieg von 7,5% verzeichnet. Der Inflationsdruck nimmt also trotz sich abkühlender Wirtschaft immer weiter zu.

2011 wurden schon 67’000 Bankerjobs in Europa vernichtet, alleine die englischen Banken haben davon fast 50.000 auf dem Gewissen.

Die bereits beschlossene Aufstockung des Rettungsfonds auf 750 Milliarden Euro dürfte nicht ausreichen. Die Maßnahmen der EZB, die zuletzt für 36,3 Milliarden Euro spanische und italienische Staatsanleihen kaufte blieb bei den Renditen nicht ohne Wirkung. Wenn man schon die Steuern nicht erhöhen kann und die Ausgaben ganz allgemein nicht in den Griff bekommt, dann kann man nur noch versuchen auf die Dummheit der Anleger zu setzen, die zu immer niedrigeren Zinsen den Staaten Geld leihen, was für die Staaten den Kostenblock Zinsaufwendungen nach unten drückt!
Die Renditen der Staatsanleihen von Italien und Spanien gingen deutlich zurück und damit können sie sich wieder günstiger Geld leihen. 

Als Lösung des Problems kommen immer wieder Eurobonds in Gespräch. Also gemeinsame Staatsanleihen aller Euroländer. Andere schlagen einen größeren Rettungsfonds als den aktuellen mit 750 Mrd. Euro vor.
Im Grunde genommen läuft alles darauf hinaus, dass diejenigen, die noch was haben, für die zahlen, die nichts mehr haben.
Weiters ist ein relativ großer Teil der 750 Mrd. Euro schon durch die Rettungspakete für Irland (67,5 Milliarden), Portugal (78 Milliarden Euro) und Griechenland (37 Milliarden Euro aus dem ersten und 109 Mrd. Euro aus dem 2. Rettungspaket) vergeben. Als nächstes Problemkind gilt Spanien, denn allein 2012 muss man dort Staatsanleihen mit einem Volumen von 143 Milliarden Euro refinanzieren. 



Mit deutlichen Worten äusserte sich am Wochenende die neue Chefin des IWF Christine Lagarde zur Lage der europäischen Banken: “Die Entwicklungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass wir uns in einer gefährlichen neuen Phase befinden”. Die Institute müssten zu einer Rekapitalisierung gezwungen werden. Dies solle möglichst durch den Privatsektor geschehen. Die neue IWF-Chefin brachte aber auch den Euro-Rettungsfonds EFSF dafür ins Gespräch.
Hintergrund dieser Äußerungen ist offenbar, dass der Interbanken-Handel fast zum Erliegen gekommen ist, ähnlich wir kurz nach der Lehman-Pleite. Der Interbankenhandel ist für die Kreditinstitute überlebenswichtig. Wenn es dort zu Problemen kommt, droht ein Absturz des Finanzsystems. Derzeit gibt es in den Geschäften zwischen den Banken großen Druck und niemand traut niemanden mehr. Eine dramatische Situation für das Geldsystem. Diese Tendenz dürfte in einer drohenden Rezession sich noch weiter zuzuspitzen.

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